500.000 Volt nicht tödlich?

Grundlagen des elektrischen Stromes. Alle Fragen zu Elektronik und Elektro sind erwünscht.

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500.000 Volt nicht tödlich?

Neuer Beitragvon SiliconeSoul am Freitag 22. Dezember 2017, 02:08

Hallo,

wieder mal eine Frage die sich mir stellt und für die Profis vermutlich einen Schmunzler wert ist ;D
Wenn ich in die Steckdose fasse und unsere Bundesdeutschen 230V abbekomme ist es ja äußerst wahrscheinlich das ich danach nicht mehr lebe.

Wie kann es nun sein, das Elektroshocker im Handel angeboten werden die 500.000 Volt entladen. Dabei den Angreifer jedoch nicht töten?

Und wenn wir schon dabei sind, wie schaffen diese Geräte es soviel Spannung aufzubauen. Da müssten doch eigentlich riesige Superkondensatoren drin sein. Dennoch sind die Geräte oft nichtmals groß genug um einen Transformator zu beherbergen.

HIER einfach mal ein Beispielgerät. Völlig beliebig. Gibts auch mit noch höheren Voltzahlen.

Vielen Dank, Tim.
Zuletzt geändert von SiliconeSoul am Freitag 22. Dezember 2017, 02:11, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: 500.000 Volt nicht tödlich?

Neuer Beitragvon BernhardS am Freitag 22. Dezember 2017, 10:13

Grundregel: Spannung schmerzt - Strom tötet.

Der Unterschied zwischen Strom und Spannung ist Dir vertraut? Falls nicht, dann empfehle ich als Grundlagenseite gerne Elektronik Kompendium.

Die Geräte arbeiten mit Hochfrequenz. Hochfrequenter Strom hat einige Besonderheiten, für die es keine Alltagserfahrungen gibt und einem erstmal unverständlich sind. Wichtig hier: Hochfrequenz bleibt an der Oberfläche. Es kommt zu Hautverbrennungen, aber nicht unbedingt zu einem tödlichen Stromfluß beispielsweise durch das Herz.
Aber natürlich kann man mit einem solchen Gerät durchaus jemanden töten.

Die Spannungsangaben kannst Du knicken - wie sich meine Kinder gern ausdrücken. "Entladen" ist auch ein völlig falscher Begriff im Verständnis wie die Geräte die Spannung aufbauen. Das Wort Entladung ist erst vorn beim Überschlag zwischen den Kontakten angebracht.
Bei der angegebenen Zahl schlägt die Entladung mühelos durch die Luft. Dadurch fließt Strom und die Spannung bricht stark ein. Die sicht- und hörbare Entladung soll beeindrucken, einschüchtern. Technisch ist das Unsinn.
Die Zahl errechnet sich indem man die Schaltung durch ein Simulationsprogramm jagt. Das Ergebnis mal Wunschpenislänge mal chinesisches Bruttosozialprodukt. Die soll lediglich den potentiellen Käufer beeindrucken. Gemessen hat die niemand.

Falls Dir aufgefallen sein sollte, daß in den vielen Worten nirgends, auch nur ansatzweise etwas über den Aufbau der Geräte steht - nun, das ist Absicht.
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Re: 500.000 Volt nicht tödlich?

Neuer Beitragvon Bernd am Freitag 22. Dezember 2017, 12:05

BernhardS hat geschrieben:Grundregel: Spannung schmerzt - Strom tötet.
.....
Das Ergebnis mal Wunschpenislänge mal chinesisches Bruttosozialprodukt. .....
.....



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Re: 500.000 Volt nicht tödlich?

Neuer Beitragvon SiliconeSoul am Freitag 22. Dezember 2017, 19:58

BernhardS hat geschrieben:Grundregel: Spannung schmerzt - Strom tötet.

Der Unterschied zwischen Strom und Spannung ist Dir vertraut? Falls nicht, dann empfehle ich als Grundlagenseite gerne Elektronik Kompendium..


Hallo Bernhard, danke für deine Erklärung.
Und bisher dachte ich, ich würde den den Unterschied verstehen.
Da ich ein Mensch bin der am besten mit Analogien lernt, hab ich mir das immer wie folgt zusammen gebaut.

2 Computer wollen Daten austauschen.
Computer 1 sendet Daten an Computer 2.
Dabei stellen die Daten die Volt dar. Denn das ist es ja, was rumgeschickt werden soll.
Die Geschwindigkeit mit der dieser Transfer vonstatten geht wäre für mich dann das Equivalent zu Ampere.
Ergo: Computer 1 sendet bspw. 10 Volt (byte) mit einer Geschwindigkeit von 1 Ampere (baud).
Und wo keine Dateien (Volt) zu senden sind, da gibts auch keine Transfergeschwindigkeit (Ampere).

Daraus ergibt sich das ich mir Ampere stets wie ein Maß für Elektronengeschwindigkeit vorstellte.
Also mehr wie etwas abstraktes, nicht wie etwas Physisch vorhandenes. Daher dachte ich auch nicht das mich Ampere verletzen können, sondern Volt (Kann mich ja auch nicht an km/h verletzen oder an Newtonmeter)

Das Bauteile bei zuviel Ampere zerstört werden können hab ich mir wiederum wie eine Übersteuerung vorgestellt. Also, und da wären wir wieder bei meiner Analogie, wie eine Denial of Service Attacke, bei der ein Port einfach mit viel zu vielen Pings zugeballert wird, das er überlastet und sich abschaltet (was in der Elektrotechnik dann mit Überhitzung endet und diese schlussendlich das Bauteil zerstört).

Das ich mit all dem offenbar vollkommen daneben liege zeigt mir aber, das ich wirklich erstmal weiter nur Bausätze zusammenbauen sollte und nicht mit Schaltungen marke Eigenbau experimentieren sollte.

Vielen Dank dafür, ich werde mir das Thema noch einmal gehörig zur Brust nehmen.
Viele Grüße, Tim
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Re: 500.000 Volt nicht tödlich?

Neuer Beitragvon BernhardS am Samstag 23. Dezember 2017, 18:09

Der Strom, schwach oder stark, ist in der Leitung stets mit der gleichen Geschwindigkeit unterwegs. Es ist jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Elektronen auf dem Weg.
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Neuer Beitragvon AddAbrato am Donnerstag 26. April 2018, 08:28

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Re: 500.000 Volt nicht tödlich?

Neuer Beitragvon Eierschale am Freitag 4. Mai 2018, 06:19

Das ohmsche Gesetz besagt, dass der Strom sich aus Spannung geteilt durch den Widerstand berechnet. Die Spannung hat auf Menschen keine Auswirkung, ausser dass die Haare zu Berge stehen. Erst der Strom macht Elektrizität gefährlich. Da ist allerdings noch der Widerstand. Da ist ein kleiner Widerstand von etwa 1000Ohm, das ist der Mensch. Und da ist noch der Widerstand, der im Gerät eingebaut ist, und der ist sehr groß. Dadurch kommt insgesamt nur ein kleiner Strom heraus, der nur noch weh tut. Weiter sind noch der Weg des Stromes wichtig für die Gefährlichkeit (fliest durch das Herz?) und die Frequenz (Gefahr von Kammerflimmern). Am Ende gibt es noch den Skineffekt zu beachten.
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